Warum Ikea ein Onlineportal kauft

Wie jetzt mitgeteilt wurde, hat der schwedische Möbelriese Ikea das Online-Startup TaskRabbit übernommen. Über den Kaufpreis wurde zunächst nichts bekannt. Schon in der Vergangenheit hatte das global aufgestellte Möbelhaus mit dem Portal aus San Francisco in Pilotprojekten zusammengearbeitet. Für die Zukunft ist wohl davon auszugehen, dass die Vermittlungsdienste von TaskRabbit zum integralen Bestandteil des Angebots von Ikea werden, wobei das Portal Berichten zufolge eigenständig bleiben soll.

Zwei ungleiche Partner
Ikea besteht seit 1943 und ist der wahrscheinlich bekannteste Möbelhauskonzern der Welt. Aus einem einfachen Versandhandel in der schwedischen Provinz hervorgegangen, betreibt das Unternehmen heute mehr als 300 Filialen auf allen Kontinenten. Schon mit der Grundidee des Versands von Möbeln, die der Käufer selbst zusammensetzen muss, war Ikea eine Revolution des Marktes gelungen, der zuvor ausschließlich von Handwerkern dominiert war. Zwar ist der Zusammenbau von Ikea-Möbeln nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Markenimages des Unternehmens, ein Alleinstellungsmerkmal ist er aber nicht mehr. Vor diesem Hintergrund macht die Akquisition von TaskRabbit Sinn, denn das Onlineportal unterstützt Käufer bei einer Tätigkeit, die eng mit Ikeas Markennamen verbunden ist. TaskRabbit, im Jahr 2008 ursprünglich mit dem Namen Run My Errand gegründet und heute in vielen amerikanischen Städten sowie in London aktiv, vermittelt Arbeitskräfte für oft kurze, einfache Aufträge. Das Zusammenbauen von bei Ikea gekauften Möbeln gehörte schon länger zu den häufig angefragten Aufgaben, mit der Übernahme kann der Möbelriese diese Dienstleistung nun ins eigene Portfolio integrieren, das eigene Serviceangebot sinnvoll ergänzen und den Einkaufskomfort für seine Kunden erhöhen. Darüber hinaus wird das Unternehmen mit dem ohnehin schon profitabel arbeitenden Portal aller Voraussicht nach zusätzliche Umsätze generieren können. Einige Beobachter betrachten die Übernahme trotzdem kritisch. Ihrer Ansicht nach ist TaskRabbit, ebenso wie andere, ähnliche Angebote, der Wegbereiter einer Arbeitswelt außerhalb von gesetzlichen Mindestlöhnen, Arbeitnehmerrechten und Sicherheiten. Solche Plattformen, auf denen einzelne Personen Dienstleistungen für Einzelaufträge anbieten, haben derzeit Hochkonjunktur und sind durch Anbieter wie Uber bekannt geworden. Durch die Integration in etablierte Geschäftsfelder könnten solche Arbeitsverhältnisse noch weiter zunehmen und mittelfristig sogar bestehende Arbeitnehmerrechte erodieren lassen, befürchten Experten.

Ikea geht den Weg der Digitalisierung
Das schwedische Möbelunternehmen beschreitet mit der Übernahme der Online-Plattform den Pfad, den schon zahlreiche alteingesessene Unternehmen gegangen sind, um in der digitalen Zukunft relevant zu bleiben und den Kunden moderne Dienstleistungen anzubieten. Die Herausforderung ist dabei für fast alle Unternehmen, die im stationären Handel gewachsen sind, dieselbe: Eine zukunftstaugliche und möglichst risikoarme Methode finden, die das eigene Geschäft sinnvoll ergänzt oder erweitert. Oft geht die Fantasie der Unternehmer dabei nicht über die Einrichtung eines Webshops hinaus, doch das Geschäft im Internet hat sich längst weiterentwickelt und die Anspruchshaltung der Kunden ändert sich stetig. Wer das alteingesessene Geschäft also digitalisieren will, wird in Zukunft noch häufiger bereit und kreativ genug sein müssen, um neue Ideen auszuprobieren. Darin liegt auch eine große Chance für Unternehmen, die im Internet zu Hause sind.

Die Online-Offline-Kooperation ist keine Einbahnstraße
Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Vorteile des Deals vor allem bei Ikea liegen, doch bei genauerem Hinsehen ist die Kooperation ein Beispiel für eine Entwicklung, die auch und vor allem den Online-Anbietern Vorteile bringt. Denn gerade das Online-Geschäft ist hart, umkämpft und kapitalintensiv. Selbst wer vornehmlich auf Plattformen wie Amazon oder Ebay verkauft, sieht sich einem knallharten Wettbewerb mit einer beständig steigenden Zahl an Konkurrenten ausgesetzt und oft genug ist der Preiskampf gegen solche Mitbewerber nicht zu gewinnen. Ein möglicher Ausweg ist da ein Ausbau des Portfolios oder eine Verbesserung der Position der eigenen Marke. Im Deal mit Ikea ergeben sich so für TaskRabbit einige interessante Vorteile. Die Online-Plattform darf sich darauf freuen, dass Ikea mit tausenden täglichen Besuchern in den Filialen Kontakt hat und diese auf die Serviceleistungen auf der Website aufmerksam machen kann. Durch den gesteigerten Bekanntheitsgrad dürfte TaskRabbit dann auch in anderen Sparten profitieren. Und nicht zuletzt kann ein junges Unternehmen wie TaskRabbit sicher auch von der Erfahrung eines seit vielen Jahrzehnten bestehenden Markenanbieters profitieren. Während für immer mehr alteingesessene Firmen aus der sogenannten "Old Economy" die Diversifizierung in zumeist digitale Dienstleistungen der goldene Weg zum Ausbau des Marktanteils zu sein scheint, kann gerade für Online-Businesses im harten Konkurrenzkampf der umgekehrte Weg von Vorteil sein. In Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen können neue Kundengruppen erschlossen und neue Geschäftsmodelle erdacht werden, ganz abseits vom Wettbewerbsdruck auf den Handelsplattformen im Internet. "Wir sind beständig darum bemüht, neue und verbesserte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, um unseren Kunden das Leben ein wenig leichter zu machen," erklärte Ikea-Chef Jesper Brodin nach der Veröffentlichung der Übernahme von TaskRabbit. Gerade in diesem Kompetenzbereich können Onlinehändler sicher noch vielen anderen Unternehmen weiterhelfen.